Portraits


		
						
	
		

					
			
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Ein Bier ist nur so gut, wie es serviert wird, und genau hier kommt der Tapster ins Spiel. Er garantiert für die Perfektion im Glas. Pilsner Urquell weiß um die Bedeutung der Tapster, und so hat das Original Pils eine Ausbildung ins Leben gerufen. Da selbst passionierte Biertrinker hier oftmals nur über wenig Infos verfügen, klären die ausgebildeten Tapster Max und Marian auf. Im Interview erzählen sie, was die wichtigsten Aufgaben eines Tapsters sind, wie die Ausbildung abläuft und wie man Pils aus der Flasche am besten in ein Glas gießt. Außerdem lüften sie das Geheimnis um die Bedeutung des Schaums.

Zunächst einmal zum Einstieg: Was sind die Kernaufgaben eines Tapsters?

Marian: In Pilsen heißt es: „The Brewmaster brews the Beer, the Tapster makes the Beer!“ Der Tapster ist für das Bier verantwortlich, von dem Punkt, an dem es in die Bar kommt, bis es der Gast schließlich genießen kann. In den Zuständigkeitsbereich des Tapsters fällt die Lieferung und die anschließende Lagerung des Bieres, die tadellose Funktionsfähigkeit der Zapfanlage, der eigentliche Ausschank und damit einhergehend der Kontakt zum Kunden.

Max: Wir kümmern uns um die letzten Schritte, die notwendig sind, um dem Gast ein perfektes Biererlebnis zu ermöglichen. Während die Brauer/innen das Bier herstellen, ist es unsere Aufgabe, es perfekt zu zapfen. Darüber hinaus sind wir für die gesamte Zapfanlage, die Lagerung und das Management des Biers und die Glashygiene verantwortlich. Also letztlich für den gesamten Weg, sobald das Bier in der Kneipe angekommen ist, bis der Gast sein frisch gezapftes Pils genießen kann. Neben den praktischen Tätigkeiten, zählt es ebenfalls zu unseren Aufgaben, dem Gast die Besonderheiten von Pilsner Urquell und speziell von Tankbier näherzubringen.

 

Für das perfekt gezapte Bier muss der Tapster Disziplin, Sauberkeit und Qualitätsbewusstsein mitbringen ... und natürlich ein bisschen Liebe fürs Bier.
Für das perfekt gezapte Bier muss der Tapster Disziplin, Sauberkeit und Qualitätsbewusstsein mitbringen ... und natürlich ein bisschen Liebe fürs Bier

 

Nicht jeder Mensch eignet sich zum Tapster: Welche Fähigkeiten muss man mitbringen?

Marian: Zunächst einmal ganz klar Interesse am Bier. Damit meine ich aber nicht, die Trinkfreude – auch wenn diese natürlich auch nicht schadet. Da man viel am Kunden arbeitet und nicht jeder Gast auf Anhieb einsieht, dass drei Finger breit Schaum für ein richtig gezapftes Pils wichtig sind, sollte ein Tapster geduldig sein. Darüber hinaus muss man gründlich, wenn nicht sogar penibel sein – jedes Glas muss perfekt gespült sein, jedes Bier will perfekt gezapft werden. Nur so kann jeder Kunde zufrieden nach Hause gehen.

Max: Definitiv Disziplin, Sauberkeit und Qualitätsbewusstsein. Und ganz wichtig: Geduld. Gerade in Deutschland brauchst du eine ganze Menge davon. Wenn die Leute beim Zapfen zuschauen, sind auf einmal alle Experten. Aber Tankbier wird komplett anders gezapft als Fernsehbiere in deutschen Kneipen. Wir benutzen Reibehähne, die kennen wir hier normalerweise nur vom Wasserhahn im Garten. Und wir zapfen das Bier unter den Schaum. Ja, richtig, unter den Schaum. Erst der Schaum, dann das Bier. Das ist für manche Biertrinker schwer zu ertragen, aber in unseren Augen the best way to do it. Hier gilt es geduldig zu bleiben.

 

Könnt ihr uns ein wenig zur Tapster Ausbildung erzählen? Wie läuft die Ausbildung ab? Wie ist dabei das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis? Wie viele Personen absolvieren zeitgleich diese Ausbildung?

Marian: Die Ausbildung findet fünf Tage lang in Gruppen bestehend aus drei bis fünf Personen in Pilsen statt. Jeden Tag wird Theorie gepaukt. Dabei geht es um Themen wie die jeweiligen Zutaten, den Brauprozess, die Geschichte von Pilsner Urquell, die Zapfanlage, Tankbier vs. Fassbier und so weiter. Man besucht die Brauerei, die Mälzerei, den Wasserturm der Brauerei und die Stadt im Allgemeinen. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag arbeitet man nach dem theoretischen Teil, unter Aufsicht eines Tapsters, sechs Stunden in einer Bar in Pilsen und zapft ein Bier nach dem anderen. Am Freitag wird man dann sowohl praktisch als auch theoretisch geprüft. Dass heißt, Zapfen und eine Prüfung zum gelernten Wissen. Hinzu kommt noch ein sensorischer Test zu Biergeschmack und Qualität. Hat man diese Prüfung bestanden, ist man offiziell Brewery Tapster von Pilsner Urquell.

Max: Die Ausbildung ist auf alle Fälle sehr intensiv und beinhaltet eine ziemlich vollgepackte Woche. Pilsen erwartet da eine sehr hohe Motivation und auch Lernbereitschaft. Das ist aber auch gut so. Neben viel theoretischem Input in der Brauerei, gibt es auch eine intensive praktische Einführung. Von Besuchen bei den unterschiedlichen Gewerken auf dem Brauereigelände über Sensorikschulungen bis zu den Zapftrainings ist alles dabei. Abends folgen dann noch sechs Stunden in einem der Tankbieroutlets, um die notwendige Routine zu bekommen und von den Praxisprofis zu lernen. Da sind echt ein paar Originale dabei.

 

Was waren eure größten Learnings während der Ausbildung?

Marian: Das erstaunlichste an der Ausbildung für mich war, wie groß der Einfluss des Zapfens auf das Bier ist. Eigentlich ist das nichts Besonderes, denn eine Kartoffel kann man auch auf verschiedenste Weisen zubereiten. Aber wer hätte gedacht, dass das auch auf Bier zutrifft.

Max: Der krasse Einfluss von Frische und wie Licht auf Bier wirkt. Das war wirklich unfassbar.

 

Der Schaum schützt das Bier vor Oxidation
Der Schaum schützt das Bier vor Oxidation

 

Wieso ist der Schaum bei Pils eigentlich so wichtig? Und wie viel Schaum im Glas ist optimal?

Marian: Der Schaum trägt sehr zum Geschmack des Bieres bei. Während der flüssige Teil die herben Aromen des Hopfens trägt, gibt der Schaum die süßliche Note der Gerste wieder. Nur wenn die richtige Balance besteht, schmeckt Pils wie es schmecken soll.

Max: Schaum ist Schutzschicht. Das ist so, als würdest du mich fragen, warum Sonnencreme im Sommer wichtig ist. Pils ohne Schaum, da müsste man schon nen guten Zug haben, damit das schmeckt. Nee ehrlich: Der Schaum schützt das Bier vor Oxidation, also vorm bitter werden. Wir sagen dazu auch schal. Optimal sind drei Finger breit Schaum. Klingt erstmal viel, ist aber notwendig, damit auch der letzte Schluck noch ein bisschen Schaum enthält. Beim Trinken kommt es nämlich absolut auf das Zusammenspiel von herbem Bier und süßem Schaum an. Von daher, ohne Schaum kein geiles Bier.

 

In den heutigen Zeiten ist es ja leider nicht so einfach möglich, ein frisch gezapftes Pils zu genießen. Habt ihr einen Tipp, wie man zuhause den größtmöglichen Genuss erhält bzw. welche Tricks und Kniffe beim Einschenken eines kühlen Pils aus der Flasche zu berücksichtigen sind?

Marian: Sowohl das Bier als auch das Glas oder besser noch ein 0,5-Liter-Glaskrug sollten die optimale Temperatur haben. Für ein Pils wäre das zwischen fünf und sieben Grad. Das Glas muss nass und sauber sein, bestenfalls mit Hand gespült. Denn selbst der beste Geschirrspüler hinterlässt Rückstände. Nun hält man das Glas im 45°-Winkel, setzt die Flasche direkt am Glas an und lässt es über den Rand hineinlaufen. Wenn die Flasche halb leer ist richtet man das Glas auf, erhöht den Abstand zwischen Glas und Flasche und schenkt den Rest mittig ein, um den Schaum zu erzeugen.

Max: Marian hat bereits alle wichtigen Punkte genannt. Schenkt euer Pils genauso ein und der Biergenuss ist auch in Zeiten von geschlossenen Kneipen garantiert.

 

Was bedeutet es für euch, ein Tapster zu sein?

Marian: Zum einen, bedeutet es für mich, den einfachen Barbesuch zu einem Erlebnis zu machen, das im Gedächtnis bleibt. Zum anderen heißt es, dass ich für die Bierqualität ab dem Zeitpunkt, wenn es in die Bar kommt, bis es der Gast in der Hand hält, verantwortlich bin.

Max: Tapster zu sein, bedeutet für mich, Biertrinker/innen das bestmögliche Biererlebnis zu kreieren. Und Herr über die Qualität zu sein, das ist, was am Ende zählt. Ganz einfach: Ne gute Zeit mit gutem Stoff.