Portraits


		
						
	
		

					
			

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Den Begriff Trappistenbiere haben bestimmt viele Bierliebhaber schon einmal gehört. Doch was genau verbirgt sich hinter den Trappistenbieren? Wer sind diese Trappisten? Um welche Bierstile handelt es sich? Machen wir uns auf die Reise in eine eigene Welt und folgen unserem Führer Dr. Markus Fohr auf der Spur der Trappistenbiere. In diesem ersten Teil des Berichtes über die Trappisten geht Dr. Fohr den gestellten Fragen nach und stellt uns die modernen Trappistenbrauereien vor.

 

Die Trappisten

Die Trappisten sind ein Orden der römisch-katholischen Kirche und führen ein Leben nach den Ordensregeln des Heiligen Benedikt von Nursia, welche in Europa bereits vor mehr als tausend Jahren weit verbreitet waren. Im Laufe der Jahrhunderte hat ein gesteigerter Wunsch nach Nüchternheit zu Reformen geführt. So kam es im 17. Jahrhundert zur Gründung des Zisterzienserordens der Strengen Observanz in der französischen Abtei La Trappe in der Normandie. Die Mönche dieser Abtei nahmen den Namen Trappisten an. Alle Trappistenabteien, die Mitglieder der Internationalen Trappistenvereinigung (AIT) sind, gehören diesem Orden an.

„Der Heilige Benedikt von Nursia hat vorgeschlagen, dass seine Mönche in Gemeinschaft leben und sich sowohl dem Gebet als auch der manuellen Arbeit widmen ("Ora et labora"). Diese Einführung der vom spirituellen Geist geprägten manuellen Arbeit war eine Revolution. Man hat versucht, die Reife und Heiligsprechung in der Suche nach Ruhe während der Arbeit zu finden. Wenn wir die Arbeit so erleben, achten wir mehr auf die Umwelt, sie prägt mit gesunder Nüchternheit unsere Beziehung zur Welt“, erklärte Papst Franziskus zu den Trappisten.

 

Die Internationale Trappistenvereinigung (AIT)

Die 1998 ins Leben gerufene Internationale Trappistenvereinigung verbindet Stand 2018 zwanzig Trappistenklöster auf der ganzen Welt, wo die Trappisten und Trappistinnen eine breite Palette an Produkten herstellen: Brot, Käse, Honig, Pilze, Schokolade, Wein, Liköre und religiöse Artikel. Es ist eine Vereinigung ohne Erwerbszwecke. Ihr Ziel besteht darin, die außerordentliche Qualität dieser Produkte zu gewährleisten. Außerdem steht die AIT für den Schutz des Namens Trappist® und der grundsätzlichen Werte, die mit den Produkten verbunden sind.

 

Die Trappistenbiere

Grundsätzlich darf jedes Produkt, das in einem Trappistenkloster weltweit hergestellt, den geschützten Namen Trappist® tragen. Zusätzlich kann von Mitgliedern der Internationalen Vereinigung der Trappisten nach Anfrage und Freigabe bei der Kommission das Logo Authentic Trappist Product (ATP) auf das jeweilige Produkt aufgedruckt werden. Um das Logo tragen zu dürfen, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein – diese gelten analog auch für andere Produkte:

  • Das Bier muss in den Mauern einer Trappistenabtei von den Mönchen selbst oder unter ihrer Aufsicht gebraut sein.
  • Die Brauerei muss dem Kloster unterstellt sein und eine Betriebskultur aufweisen, die zum klösterlichen Lebensentwurf gehört.
  • Die Brauerei arbeitet nicht gewinnorientiert; die Erlöse dienen dem Lebensunterhalt der Mönche und der Erhaltung der Abteigebäude; was übrig bleibt, fließt karitativen und sozialen Zwecken oder Menschen in Not zu.

Außerdem verfügt jedes Trappistenbier über ein einmaliges Rezept mit einer einzigartigen Hefe. Mit der Marke Trappist ist auch die in der Produktion genutzte Hefe geschützt. Die Abteien, die Bier brauen, ziehen eine ganz besondere Hefe für jedes Trappistenbier her. So gibt es Trappisten Hefe Rochefort, Trappisten Hefe Orval und so weiter.

 

Die Trappistenbrauereien im Überblick

Stand 2018 existieren weltweit zwölf Trappistenbrauereien. Sieben davon existieren schon länger, davon sechs in Belgien und eine in den Niederlanden. Relativ neu hinzugekommen ist eine neue Generation an Trappistenbrauereien:

  • Achel (1871);
  • Chimay (1862);
  • Orval (1932);
  • Rochefort (1595);
  • Westmalle (1836);
  • Westvleteren (1839);
  • La Trappe in den Niederlanden (1884);
  • Stift Engelszell in Engelhardtszell, Österreich (2012);
  • Saint Joseph's Abbey in Spencer, Massachusetts, USA (2013);
  • Brauerei De Kievit (Kiebitz) in der Abtei Maria Toevlucht in Klein-Zundert, Niederlande (2013);
  • Abbazia delle Tre Fontane in Rom, Italien (2015);
  • Mount Saint Bernard Abbey in Coalville, England (2018).

Die Biere sind meist obergärige Starkbiere mit eindrucksvollem Aroma und Farbe. Nach der Hauptgärung erfolgt häufig eine Flaschengärung unter Zusatz unterschiedlicher Zucker. Viele Trappistenbrauereien brauen die Bierstile Dubbel und Tripel. Der Bierstil Dubbel ist dunkel und mit 15-20 Prozent Stammwürze nicht ganz so stark. Tripel ist dagegen heller mit 18-22 Prozent Stammwürze. Im Gegensatz zum geschützten Begriff der Trappistenbiere sind die Begriffe Dubbel und Tripel nicht geschützt, können also auch von Brauereien genutzt werden, die keine Trappistenbrauereien sind.

 

Stift Engelszell

Im Kloster Engelszell eröffnete 2012 die erste Trappistenbrauerei der neuen Generation. Die Biere Gregorius, Benno und Nivard orientieren sich an belgischen Bierstilen, sind aber mit heimischen Rohstoffen gebraut: Pilsener Malz aus Österreich, Spezialmalze aus Bayern, Hopfen aus dem Mühlviertel – die Hefe allerdings stammt aus Belgien. Die Biere sind unfiltriert, die Brauerei empfiehlt sie zu dekantieren und den Bodensatz nicht mit ins Glas zu geben. Die jüngste Sorte kam im Frühjahr 2019 hinzu, das Trappisten Weiße.

Im Stift Engelszell in Österreich eröffnete 2012 die erste Trappistenbrauerei der neuen Generation (Bildquelle: Schorle, Allee zur Stiftskirche Engelszell, CC BY-SA 4.0)

Pater Dr. Gregorius Eisvogel war 1931 der erste Abt des Klosters Engelszell. Sein Bier ist mit Honig gebraut und hat 10,5 Vol.-Prozent Alkohol. Ihm folgte 1953 Pater Benno Stumpf, dessen Bier 6,9 Vol.-Prozent Alkohol hat und ebenfalls mit Honig sowie mit Strisselspalter Hopfen aus dem Elsass gebraut ist. Pater Nivard Volkmer wirkte von 1951 bis 1999 und von 2002 bis zu seinem Tode 2014 in Engelszell. 1999 bis 2002 war er Abt des Klosters Banja Luka in Bosnien. Sein Bier ist mit 5,5 Vol.-Alkohol relativ leicht.

 

Saint Joseph's Abbey

2012 war die Saint Joseph's Abbey in Spencer, Massachusetts, USA, die erste Brauerei außerhalb Europas, deren Biere das ATP Logo tragen durften. Das Brauereilogo entstand aus der Kalligraphie des Hochaltars der eigenen Abtei sowie aus ihrem Glockenturm. Die Biere der Spencer Brewery sind sehr zahlreich und unterteilt in drei Linien.

Trappist Classics:

  • Trappist Ale mit 6,5 Vol.-Prozent Alkohol in der Tradition belgischer "Patersbiere", welche die Mönche zum Abendessen tranken;
  • Trappist Holiday Ale mit Gewürzen gebraut und mit 9,0 Vol.-Prozent Alkohol;
  • Trappist Monks Reserve Ale: Quadrupel nach belgischem Stil mit 10,2 Vol.-Prozent Alkohol.

American Trappist Craft Beers:

  • Trappist Imperial Stout mit 8,7 Vol.-Prozent Alkohol;
  • Trappist IPA gebraut mit Perle, Apollo und Cascade und mit 7,2 Vol.-Prozent Alkohol;
  • Trappist Premium Pilsener: gebraut mit "German Noble Hops" und mit 4,7 Vol.-Prozent Alkohol;
  • Trappist Vienna Lager mit 5,5 Vol.-Prozent.
Mönch in der Brauerei der Saint Joseph's Abbey in Spencer, USA (Bildquelle: Spencer Brewery www.spencerbrewery.com)

Spencer Fruit Series:

  • Spencer Peach Saison: Session Ale mit 4,3 Vol.-Prozent Alkohol;
  • Spencer Grapefruit IPA mit 6,5 Vol.-Prozent Alkohol, gebraut mit Aromahopfen Citra und mit Grapefruit.

 

De Kievit

In der Abdij Maria Toevlucht im niederländischen Klein Zundert entsteht nur eine Biersorte: Zundert Trappist. Es handelt sich um ein nussbraunes, obergäriges Bier mit acht Vol.-Prozent und Flaschengärung. Zundert Trappist besitzt einen Duft mit einem Hauch von Kräutern und Gewürzen. Im Antrunk schmeckt es blumig und ein wenig süßlich. Sein Charakter entwickelt sich in der Folge von leichtem Karamell hin zu einer liebenswerten, trockenen und hopfigen Bittere mit einer angenehmen Gewürznote im Hintergrund.

Wie bei vielen Trappistenbrauereien findet sich auch hier der Hinweis, das Bier temperiert bei etwa 14 °C aus dem dafür geeigneten Glas zu genießen. Zudem gibt es zahlreiche Kochrezepte mit Zundert Trappist. Das Bier entsteht aus einer Mischung verschiedener Malze, Bitter- und Aromahopfen, sowie Kräutern und Gewürzen aus der Umgebung der Abtei.

Die Brauerei selbst trägt den Namen De Kievit – zu Deutsch: der Kiebitz. Sie ist in einer historischen Lagerhalle für Heu erbaut, auf deren Dach eine Wetterfahne in Gestalt eines Kiebitzes steht.

 

Abbazia delle Tre Fontane

Anfang Mai 2015 erhielt diese Abtei in Rom das Logo der AIT für ihr Trappist Tripel mit 8,5 Vol.-Prozent Alkohol. Die Abtei braut bereits seit dem Jahr 2000 und würzt ihr Tripel mit Eukalyptusblättern, die von den Eukalyptusbäumen rund um das Kloster stammen. Die Bäume pflanzten die Mönche seit 1870 im Glauben, dass Eukalyptus Malaria heilen kann. Dies ist zwar nicht der Fall, doch trockneten die Bäume durch ihren hohen Wasserbedarf die umliegenden Sümpfe aus. Dies führte wiederum zum Verschwinden der Mücken, die Malaria verursachten – indirekt heilten die Eukalyptusbäume die Malaria also doch.

Das bernsteinfarbene Tre Fontane Tripel schmeckt ein wenig nach Honig und nach Kräutern und besitzt eine unterschwellige Eukalyptusnote im Abtrunk. Sanfte Gewürznoten paaren sich mit kräftiger Bittere. Im Nachtrunk bleiben auf trockene Weise Malz-, Frucht- und Hopfennoten erhalten.

 

Mount Saint Bernard Abbey

Am 25. Juni 2018 erhielt die Mount Saint Bernard Abbey in der Nähe von Coalville, Leicestershire, England, als zwölfte und damit jüngste Trappistenbrauerei das Logo der AIT. Ihr Bier hat eine Alkoholgehalt von 7,4 Vol.-Prozent und trägt den Namen Tynt Meadow. Dies ist der Name der Wiese, auf der sich die Mönche 1835 niederließen.

Die bisher jüngste Trappistenbrauerei: Mount St. Bernard Abbey in England (Bildquelle: Gtatler, Mount St Bernards Abbey, gemeinfrei)

Um Teil der großen Tradition der Trappistenbiere zu werden, entschlossen sich die Mönche, ein Dark Strong Ale zu brauen, aber eines mit klar englischem Charakter. Tynt Meadow ist mahagonifarben, mit einem abrundenden warmen Rotton und beigem Schaum. Sein Duft trägt Hinweise auf dunkle Schokolade, Lakritze und reiche Fruchtflavours. Das Bier schmeckt vollmundig und ausbalanciert nach dunkler Schokolade, Pfeffer und Feige. Im Abtrunk hinterlässt es dem Gaumen ein warmes und trockenes Finale.

Tynt Meadow ist mit englischer Gerste und englischem Hopfen gebraut und mit einem englischen Hefestamm vergoren. In der Flasche findet eine zweite Gärung statt.

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