Know-How


		
						
	
		

					
			

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Jawohl, es ist vollbracht! Der nächste Sud ist fertig gekühlt und angestellt! Jetzt heißt es abwarten und Bier trinken. Moment, war da nicht noch was? Ach ja, Saubermachen ist noch angesagt. Kein Problem, könntet ihr euch jetzt denken. Schnell ab in den Handel, Reinigungsmittel besorgt, kurz alles abgebürstet und fertig. Nur, ganz so einfach ist es leider nicht. Zumindest dann nicht, wenn es richtig sauber werden soll. Was ist also für die jeweilige Situation das passende Mittel?

Die Zahl der Reinigungsprodukte ist ja schier unüberschaubar. Ist eines gefunden, solltet ihr euch nicht zuletzt noch fragen: Wie verträgt sich das Reinigungsmittel eigentlich mit meinem Bier und dem Material meiner Brauanlage? Ihr merkt schon, besonders im Nahrungsmittelbereich stellen sich viele Reinigungsaufgaben oft komplexer dar, als diese zunächst erscheinen. Und selbst wenn etwa der Tank optisch sauber geworden ist, könnt ihr euch nicht sicher sein, dass dieser auch hygienisch einwandfrei ist. Wie könnt ihr also sicherstellen, dass am Ende der Reinigung wirklich alles hygienisch komplett sauber ist? Fragen über Fragen. 

Ein alltägliches Beispiel: Ein Gär- und Lagertank soll im Umlaufverfahren gereinigt werden. Eigentlich ganz einfach. Wenn der Tank leer ist, kommt Wasser rein, Reinigungsmittel dazu, Pumpe angeschlossen und los. Nach einiger Zeit wird die Pumpe wieder ausgeschaltet und nachgesehen, ob der Tank sauber ist. Wenn ja, kurz nachspülen, fertig! Aber was, wenn nicht? Woran hat es gelegen? Ursachenforschung.

 

Reinigung und Desinfektion

Fangen wir also bei den Grundlagen an. Zunächst einmal: Reinigen alleine reicht in der Regel nicht aus. Zwar werden durch eine ordnungsgemäße Reinigung bereits Keime abgetötet, aber um unerwünschte Mikroorganismen effektiv zu bekämpfen, genügt das nicht. Dazu muss ein weiterer Schritt angewendet werden, die Desinfektion. Nur durch die Kombination von Reinigung und Desinfektion wird das Ziel der optimalen Hygiene erreicht.

 

Der Sinnersche Kreis

Im 19. Jahrhundert fand der Tensidchemiker Dr. Werner Sinner heraus, welche Faktoren eine Reinigung beeinflussen: Zeit, Temperatur, Mechanik sowie Art und Konzentration des eingesetzten Reinigungsmittels. Zum besseren Verständnis stellte er dies grafisch dar. Im sog. „Sinnerschen Kreis“. Sinner stellte außerdem fest, dass die verschiedenen Parameter sich gegenseitig beeinflussen. Beispielsweise kann ein Reinigungsprozess um ein Vielfaches beschleunigt werden, wenn die Temperatur um 10-15 °C erhöht wird. Dieses Wissen machen sich die Anbieter von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sowie -systemen zu Nutze. Die entwickelten Produkte erreichen daher nur in der Kombination aus richtiger Konzentration bei einer bestimmten Temperatur und unter Berücksichtigung einer definierten Zeit für bestimmte Reinigungs- und Desinfektionsaufgaben ihre optimale Wirkung. Wir halten also fest: Zeit, Konzentration, Temperatur, Art des Reinigungsmittels.

Mechanik - noch ein Element im erweiterten Sinnerschen Kreis
Zeit, Temperatur, Chemie und, nicht zu vergessen, Mechanik führen zum Reinigungserfolg

 

Alkalisch oder sauer?

Auf letzteren Punkt gehen wir gleich mal genauer ein. Grundsätzlich kann man bei der Art des Reinigungsmittels zwischen Laugen und Säuren wählen, alkalisch oder sauer. Laugen und Säuren wiederum gibt es eine ganze Menge für jeweils unterschiedliche Reinigungsaufgaben. Daher erst einmal: Was bedeutet das eigentlich, alkalisch bzw. sauer?

Der basische (alkalische) bzw. saure Charakter einer wässrigen Lösung wird mit dem pH-Wert beschrieben. Wie ihr wahrscheinlich wisst, hat Wasser hat einen pH-Wert von etwa 7 und ist pH-neutral. Jede Lösung mit einem pH-Wert unterhalb von 7 wird als sauer bezeichnet, oberhalb von pH 7 als basisch. Der pH-Wert kann etwa mithilfe von sog. Lackmuspapier, „pH-Teststreifen“, in Sekundenschnelle getestet werden. Dazu muss der Teststreifen nur kurz in die fragliche Flüssigkeit eingetaucht werden. So erfährt man beispielsweise, ob im Nachspülwasser noch Reinigungsmittel enthalten ist.

 

Alkalische Reinigungsmittel

Die alkalischen Reinigungsmittel lassen sich in folgende Arten untergliedern:

  • Laugen (Alkalien)
  • Neutralsalze
  • Komplexbildner
  • Tenside
  • Schauminhibitoren

 Natronlauge ist die mit Abstand am häufigsten verwendete Lauge. Man kann sie sowohl als Feststoff als auch als wässrige Lösung beziehen. Die anderen Produktgruppen werden verwendet, um die Reinigungswirkung von Lauge zu verbessern. Sie dienen dann etwa dazu, bei der Reinigung auftretenden Schaum zu unterdrücken, die Löslichkeit in Wasser zu verbessern oder die Reinigungsmittel besser ausspülen zu können. Außerdem schützen sie bestimmte Materialien, etwa Aluminium oder Kupfer, vor Korrosion.

 

Saure Reinigungsmittel

Bei den Säuren gestaltet sich das Ganze auf den ersten Blick etwas einfacher. Es gibt nur zwei Arten von sauren Reinigungsmitteln: anorganische Säuren und organische Säuren. Zu den wichtigsten anorganischen Säuren zählen Schwefelsäure, Phosphorsäure und Salpetersäure. Säuren kommen zum Einsatz, wenn es darum geht, Bierstein zu entfernen oder vorzubeugen und um mögliche Laugerückstände zu neutralisieren.

Anorganische Säuren werden auch als Leitsäuren bezeichnet, da man ihnen organische Säuren zumischen kann, um ebenfalls eine verbesserte Reinigungswirkung zu erzielen. Organische Säuren sind in der Regel deutlich besser biologisch abbaubar, reinigen dafür aber nicht so gut wie anorganische Säuren.

 

Desinfektionsmittel

Wie bei den Reinigungsmitteln gibt es auch bei den Desinfektionsmitteln zahlreiche Produktgruppen, die hier aber nicht näher betrachtet werden sollen. Nachfolgende Übersicht soll aber einen Überblick über die Eigenschaften der am häufigsten verwendeten Mittel geben.

 

Bezeichnung Eigenschaften Materialverträglichkeit Lagerfähigkeit

- Laugen

- Säuren 

+ preisgünstig

- eingeschränkte Wirksamkeit

Lauge: Keine Buntmetalle

Säure: Keine Einschränk.

Sehr gut

(!!Lauge: > 8 °C!!)

Halogene

- Hypochlorit

- Jod/ Verbindungen

- Bromcarbonsäuren

+ sehr gute Wirksamkeit (Oxidation)

- Einschränkungen bei Jod/ Produkten (Verminderung durch org. Substanzen)

+ Monobromessigsäure bisher am weitesten verbreitet (- Giftstoff)

Allgemein gut bis sehr gut

Jod: Verfärbungen auf Material bei > 50 °C

Chlor: Lochfraß durch Abbauprodukte (Chloride)

Gut – Sehr gut

Einschränkung Chlor:

- Ausgasen & Neutralisation durch Reaktion

Oxidationsmittel

- Wasserstoffperoxid

- Peressigsäure

 + preisgünstig; höchste Wirksamkeit

+ rückstandsfreier Abbau (Oxidation in Wasser & Sauerstoff) 

Metalle: Gut bis sehr gut

Gummi: Schlecht (Aushärtung – Bruchgefahr)

Eingeschränkt; Stetiger Zerfall; Ausgasen!
Aldehyde 

 + breites Wirkspektrum

+ ohne Einschränkung Sehr gut
Quartäre Ammonium-verbindungen (QUATS, QAV's) 

+ geruchsneutral, hautverträglich

- eingeschränkte Wirksamkeit

+ ohne Einschränkung

Sehr gut


Puh, das wurde jetzt schnell ganz schön umfangreich. Und es geht weiter: Im nächsten Beitrag zum Thema Reinigung und Desinfektion lest ihr dann, wie ihr mit Chemikalien sicher umgeht und wie ihr Chemikalien sicher lagert. Außerdem geben wir euch dann einige Tipps für die tägliche Praxis mit auf den Weg.