Know-How


		
						
	
		

					
			

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Die meisten starten ja mit dem Bierbrauen als Hobby. Aber egal, ob Quereinsteiger, Start-Up-Gründer nach dem Studium oder passionierter Hobbybrauer: Wen der Gerstensaft so richtig fasziniert und der Gedanke an die eigene Brauerei nicht loslässt, der kommt schnell an die entscheidende Frage: Wie geh ich‘s an?

Crew Republic in München oder Brlo in Berlin haben es vorgemacht: Normalerweise beginnt man erstmal mit dem Aufbau einer Biermarke und lässt die Biere im Lohnbrauverfahren woanders herstellen. Erst dann geht’s an das eigene Projekt.

Spätestens jetzt ist Unterstützung gefragt. Die findet man zum Beispiel beim Existenzgründerforum der Fa. Kaspar Schulz in Bamberg. Das fand zuletzt Ende Oktober 2017 und bereits zum 17. Mal statt. Die 40 Teilnehmer konnten sich über die hauseigenen Brauereikonzepte für einen Bierausstoß zwischen 100 und 300 000 Hektoliter im Jahr informieren. Auf der anderen Seite ging es um die richtige Konzeption, Wirtschaftlichkeitsberechnung und Finanzierungsmöglichkeiten.

Wer mit dem Gedanken an eine eigene Brauerei spielt, für den ist das Existenzgründerforum genau das Richtige

Lage – Lage – Lage

Dieses Credo von Immobilienmaklern gilt auch bei der Standortsuche für eine Gasthausbrauerei. Soll es „nur“ eine Brauerei werden, ist man hier deutlich flexibler. Einzugsgebiet, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und regionale Besonderheiten müssen jedoch im gastronomischen Konzept berücksichtig werden. Schaut euch auf jeden Fall erfolgreiche (Gasthaus-)Brauereien und deren strategischen Ansatz an. Der Aufwand lohnt sich!

 

Das liebe Geld

Wem das nötige Kleingeld fehlt, muss mit Banken wegen einer Finanzierung verhandeln. Da sollte man gut vorbereitet sein. Empfehlenswert ist ein ca. 25 Seiten umfassendes Gründungskonzept (Investitionsplan sowie Umsatz- und Rentabilitätsvorschau inklusive). Am besten sendet man das bereits vor dem ersten Termin an den zuständigen Berater der Bank. Neben der Beschreibung des Vorhabens sollten natürlich eine ganze Reihe an Hintergrundinformationen enthalten sein, hier einige Beispiele: vorhandene Qualifikationen (was nach Wegfall des Meisterzwangs auch eine langjährige Erfahrung als Hobbybrauer oder passionierter Freizeitkoch sein kann) oder die Unterstützung durch Partner und Familie. In einer Selbstauskunft sollten die persönlichen finanziellen Verhältnisse offengelegt werden. Dazu gehören Privatvermögen und Schulden, aber auch Unterhaltszahlungen oder Ansprüche aus Lebensversicherungen. Tipp: Lasst das Konzept auf jeden Fall von einem Branchenfremden auf Verständlichkeit und Schlüssigkeit gegenlesen! Und noch ein Tipp: Bei der Umsatz- und Ertragsvorschau wird oft vergessen, einen angemessenen Unternehmerlohn einzuplanen. Am besten orientiert man sich an seinen aktuellen monatlichen Kosten. Krankenversicherung und Altersvorsorge nicht vergessen!

Wolfgang Brehm, Leiter Gasthausbrauereien bei Kaspar Schulz, führte durch die Veranstaltung

Wer kann mir helfen?

Gibt es schon Vertragsentwürfe? Dann müssen die ebenfalls als Anlage der Bank zur Verfügung gestellt werden. Denkt man über öffentliche Förderungen (z. B. über die KfW, in Bayern die LfA oder ähnliche) nach, muss man in der Regel Vorbeginnklauseln beachten. Das heißt: Aufträge dürfen erst nach Zusage der Förderung erteilt werden oder man vereinbart gleich den ersten Termin mit der Bank als Stichtag.

Es geht aber auch anders: Crowd Funding ist heute in aller Munde (und die Giesinger Bräu in München hat‘s vorgemacht). Allerdings ist diese Art der Finanzierung in der Regel teurer als über eine Bank, also bitte ganz genau prüfen, ob sich‘s lohnt! Einige Brauereien haben auch erfolgreich Genussscheine bzw. Anleihen ausgegeben. Hier gibt‘s die Ausschüttung dann meist in Form von Naturalien. Positiv ist hier, dass die Anteilseigner eine besondere Bindung zu „ihrer“, also eurer Brauerei haben.

 

Gutes darf auch teurer sein

Natürlich muss auch eine Preisstruktur festgelegt werden. Ein oft gemachter Fehler ist, zu billig zu starten - aus Angst, nicht die erforderlichen Mengen verkaufen zu können. Nachträgliche Preiserhöhungen sind den Kunden schwerer zu vermitteln. Aber: Augenmaß bewahren! Für ein hochpreisiges Angebot muss die Qualität der Produkte hervorragend sein.

 

Beispiel gefällig?

Ein schönes Beispiel für eine erfolgreiche Unternehmensgründung liefert Stefan Stretz von der Nürnberger Schanzenbräu. Die Marke entstand „so nebenbei“. Eigentlich wollte der Diplom-Ingenieur für Brauwesen nur Bier für seine Freunde brauen. Das war 2006. Dann folgte der erste Ausschank in Kneipen, eine alte Metzgerei diente als Standort für Stefans kleine Brauanlage. Ab 2009 wurde Flaschenbier angeboten, das Stefan damals noch im Lohnbrauverfahren herstellen ließ.

2012 war es dann genug. Erste Überlegungen für den Bau einer eigenen Brauerei drängten sich auf. Das wollte gut überlegt sein, denn mit dieser Entscheidung war auch der Schritt in die Selbstständigkeit verbunden. Mitten im Nürnberger Stadtgebiet sollte es sein, schwierig (ihr erinnert euch: Lage – Lage – Lage)! Ein Hürdenlauf war auch die Planungsphase, wodurch sich alles in die Länge zog und teurer wurde. Immerhin: Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly kam zur Grundsteinlegung im April 2015 und witzelte, dass seine Verwaltung bei der Genehmigung von Brauereien wohl aus der Übung gekommen sei.

Stefan Stretz berichtete von seiner erfolgreichen Unternehmensgründung

Seit 2016 wird jetzt dort mit einem 20-hl-Sudwerk von Kaspar Schulz gebraut. Der Jahresausstoß ist auf 10 000 hl angewachsen. Gebraut werden ausschließlich traditionelle Biersorten wie Rotbier, helles Vollbier, Pils und Schwarzbier. Gelegentlich gibt es Spezialbiere, hopfengestopft oder fassgereift. Fassbier wird selbst abgefüllt und auch überwiegend direkt an die Gastronomie geliefert. Eine eigene Flaschenabfüllung gibt es nicht. Neben dem Verkauf direkt ab Brauerei werden Getränkemärkte in der Region über den Getränkefachgroßhandel beliefert.

Stefan verfolgt eine hochpreisige Markenstrategie und versucht, auf allen wichtigen Festen der Region vertreten zu sein. Ein Highlight in seinem Betrieb ist die urige Schankwirtschaft mit Biergarten in Nürnbergs Szenestadtteil Gostenhof. Seit 2008 werden hier die Schanzenbräu-Biere und „ächt fränggische“ Speisen serviert – mit großem Erfolg.

 

Und hier noch ein paar Tipps

Stefans persönlicher Tipp an alle potentiellen Neugründer ist, in der Finanzplanung ein Budget für Wartungsverträge zu bilden, denn diese Kosten werden oft unterschätzt oder bei der Planung schlichtweg vergessen.

Ansonsten gilt: Bei einer Neugründung ist eine Beratung zwar nicht zwingend erforderlich, aber sicherlich sehr zu empfehlen. Bei der Finanzplanung kann der Steuerberater helfen, in Sachen Fördermöglichkeiten die IHK oder die Handwerkskammer. Verbände wie der Brauerbund, die Privaten Brauereien oder der Hotel- und Gaststättenverband können ebenfalls bei vielen Fragen helfen.

Na dann: Auf geht‘s …

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